Depression und Endometriose: Anzeichen erkennen und Hilfe suchen

Wusstest du, dass jeder fünfte Mensch irgendwann in seinem Leben an einer Depression erkrankt? Bei Frauen ist das Risiko doppelt so hoch wie bei Männern, und bei Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie Endometriose ist das Risiko noch höher. In diesem Artikel beleuchten wir die Gründe für diese erhöhte Anfälligkeit, die Anzeichen einer Depression und die Schritte, die man unternehmen kann, um Hilfe zu finden.

Eine traurige Frau mit einer dunklen Wolke über ihrem Kopf.

Risiko für Depressionen bei Endometriose

Schätzungsweise 20 % aller Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben an einer Depression. Bei Personen mit chronischen Erkrankungen wie Endometriose ist dieser Prozentsatz noch höher. Je nach Studiendesign und untersuchter Population variiert der Prozentsatz depressiver Beschwerden bei Menschen mit Endometriose zwischen 9,8 % und 98,5 %.

Wie lässt sich diese erhöhte Anfälligkeit für Depressionen erklären? Besonders hoch scheint das Depressionsrisiko bei denen zu sein, die regelmäßig unter Endometriosesymptomen leiden, was nicht bei allen Patient:innen der Fall ist. Insbesondere chronische Schmerzen scheinen eine zentrale Rolle zu spielen. Diese Schmerzsymptome werden häufig von starker Erschöpfung und anderen körperlichen Beschwerden wie hormonelles Ungleichgewicht, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und Verdauungsproblemen begleitet. Die Auswirkungen gehen über die körperlichen Beschwerden hinaus und beeinträchtigen die Fähigkeit, am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, persönliche Ziele zu verfolgen und alltägliche Tätigkeiten nachzugehen. Kurz gesagt, die Betroffenen werden daran gehindert, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es sich wünschen.

Darüber hinaus bringt Endometriose eine Reihe von Unsicherheiten mit sich. Nach dem Auftreten der ersten Symptome dauert es im Durchschnitt 7 bis 10 Jahre, bis die Diagnose endgültig gestellt wird. Danach beginnt eine lange und oft mühsame Suche nach einer wirksamen Behandlung. Begleitet wird dieser Prozess häufig von der Sorge, wie sich die eigene Gesundheit in Zukunft entwickeln wird, welche Auswirkungen dies auf das tägliche Leben haben wird und ob ein Kinderwunsch realisierbar ist. Die Kombination dieser Ängste mit dem mangelnden Verständnis und der fehlenden Unterstützung durch das Umfeld, mit denen Endometriose-Patient:innen oft zu kämpfen haben, kann psychisch sehr belastend sein und zu einer Depression führen.

Anzeichen einer Depression 

Es ist inzwischen klar, warum viele Menschen mit Endometriose unter depressiven Symptomen leiden. Ein gewisses Maß an depressiven Verstimmungen oder Abgeschlagenheit ist jedoch ein natürlicher Bestandteil des Lebens, insbesondere als Reaktion auf Rückschläge. Aber wie kann man zwischen normalen Stimmungsschwankungen und einer depressiven Störung unterscheiden? Hier sind einige häufige Anzeichen einer Depression:

  • Anhaltende Niedergeschlagenheit

  • Gefühle von Leere und Hoffnungslosigkeit

  • Verlust von Interesse und Freude an Kontakten und Aktivitäten

  • Müdigkeit, die auch bei Ruhe nicht verschwindet

  • Einschlaf- und/oder Durchschlafstörungen oder sehr langes Schlafen

  • Veränderungen von Appetit und Gewicht

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme

  • Körperliche Unruhe oder Trägheit

  • Vermindertes sexuelles Verlangen

  • Wiederkehrende negative Gedanken und grübeln

  • Häufige Gedanken an den Tod

  • Minderwertigkeits- oder Schuldgefühle

  • Körperliche Beschwerden wie Mundtrockenheit, Herzklopfen oder Engegefühl in der Brust

Wenn mehrere dieser Symptome über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen fast den ganzen Tag über auftreten, kann dies auf eine Depression hinweisen. Wenn dies bei dir der Fall ist, solltest du unbedingt ärztliche und/oder psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, damit die richtige Diagnose gestellt und ein geeigneter Behandlungsplan mit dir erarbeitet werden kann. Wenn du unter Suizidgedanken leidest, wende dich an die Telefonseelsorge: Suizidprävention - TelefonSeelsorge® Deutschland.

Was tun bei Depressionen?

Viele Menschen haben mit Depressionen zu kämpfen, oft im Stillen, denn psychische Erkrankungen sind leider immer noch ein gesellschaftliches Tabu. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass es viele Andere gibt, die ähnliche Probleme haben und dass man diese Last nicht alleine tragen muss. Die Anerkennung der eigenen Situation und des Hilfebedarfs ist ein Zeichen von Stärke und der erste Schritt zur Besserung.

Rechtzeitig ärztliche und/oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist wichtig, um die Symptome einschätzen zu lassen, eine Diagnose zu stellen und Behandlungsmöglichkeiten wie Psychotherapie oder Medikamente zu besprechen. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist ein Beispiel für eine wirksame Behandlung, die sowohl bei chronischen Schmerzen als auch bei Depressionen helfen kann.

Wenn deine depressiven Gefühle mit körperlichen Symptomen zusammenhängen, die durch die Endometriose verursacht werden, ist es ebenfalls wichtig, die Ursache aktiv anzugehen, indem du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zusammenarbeitest, um eine für dich geeignete Behandlung zu finden. Dazu können medizinische Maßnahmen wie eine Hormontherapie oder eine Operation gehören, aber auch komplementäre Methoden wie Physiotherapie, Akupunktur und Änderungen des Lebensstils.

Fazit

Das Leben mit den Symptomen von Endometriose, insbesondere mit chronischen Schmerzen, erhöht das Risiko, depressive Symptome zu entwickeln. Die Genesung von einer Depression ist kein linearer Prozess, sondern braucht Zeit und ist mit vielen Höhen und Tiefen verbunden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt, auch wenn man es lange nicht sehen kann. Der erste und wichtigste Schritt ist, sich das Problem einzugestehen und aktiv Hilfe zu suchen.

Die Realität sieht leider so aus, dass es lange Wartelisten für Psychotherapien gibt und man monatelang auf die dringend benötigte Hilfe warten muss. So lange zu warten, kann unglaublich schwer sein oder sich sogar unmöglich anfühlen. Es gibt jedoch einige Dinge, die du in der Zwischenzeit ausprobieren kannst, um dein Wohlbefinden zu verbessern, bis du einen Therapieplatz bekommst. In einem nächsten Blogbeitrag werde ich dir einige dieser Möglichkeiten vorstellen, die dir helfen können, diese Zeit zu überbrücken.

Du kannst dich gerne an mich wenden, wenn du mit jemandem sprechen möchtest, oder unten einen Kommentar hinterlassen.

Weitere Informationen

Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du unten eine Auswahl an wissenschaftlichen Artikeln. Solltest du allerdings eher nach leicht verständlichen Informationen und praktischen Ratschlägen suchen, kannst du einen Blick auf künftige Blogbeiträge zu diesem Thema werfen oder dich mit deinen Fragen über das Kontaktformular an mich wenden.

  • Casalechi, M., Vieira-Lopes, M., Quessada, M. P., Arão, T. C., & Reis, F. M. (2021). Endometriosis and related pelvic pain: association with stress, anxiety and depressive symptoms. Minerva Obstetrics and Gynecology, 73(3). https://doi.org/10.23736/s2724-606x.21.04704-3

  • Gambadauro, P., Carli, V., & Hadlaczky, G. (2018). Depressive symptoms among women with endometriosis: a systematic review and meta-analysis. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 220(3), 230–241. https://doi.org/10.1016/j.ajog.2018.11.123

  • Siqueira-Campos, V. M. E., Da Luz, R. A., De Deus, J. M., Martinez, E. Z., & Conde, D. M. (2019). <p>Anxiety and depression in women with and without chronic pelvic pain: prevalence and associated factors</p> Journal of Pain Research, Volume 12, 1223–1233. https://doi.org/10.2147/jpr.s195317

  • Szypłowska, M., Tarkowski, R., & Kułak, K. (2023). The impact of endometriosis on depressive and anxiety symptoms and quality of life: a systematic review. Frontiers in Public Health, 11. https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1230303

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