Das Schweigen brechen: Stigma rund um Endometriose

Trotz der weiten Verbreitung von Endometriose und ihrer erheblichen Auswirkungen auf das tägliche Leben werden Betroffene von der Gesellschaft oft missverstanden, abgetan oder sogar verurteilt. Es ist höchste Zeit, dieses Thema zu beleuchten und gemeinsam daran zu arbeiten, das Schweigen zu durchbrechen und die Stigmatisierung in Bezug auf Endometriose zu beenden.

Häufige Missverständnisse und Vorurteile

Eine Person, die versucht, negative Kommentare zu überhören.

Eine der Hauptursachen für die Stigmatisierung von Menschen mit Endometriose ist das mangelnde Bewusstsein für die Erkrankung und das fehlende Verständnis. Viele Personen, auch medizinisches Fachpersonal, wissen möglicherweise nicht, was Endometriose genau ist oder welche Folgen sie für die Betroffenen hat. Dieses fehlende Wissen kann zu abwertenden Kommentaren, zur Bagatellisierung der Symptome und zu einem allgemeinen Mangel an Mitgefühl führen.

Ein weit verbreitetes Vorurteil im Zusammenhang mit Endometriose ist der Irrglaube, selbst in medizinischen Fachkreisen, dass Menstruationsschmerzen ein normaler Teil des Frauseins sind und daher klaglos hingenommen werden sollten. Menschen mit Endometriose fühlen sich oft verurteilt oder als hypochondrisch oder jammernd abgestempelt, wenn sie über ihre Beschwerden sprechen.

Darüber hinaus betrachten manche Endometriose immer noch als eine erdachte Krankheit oder ein psychisches Leiden und nicht als eine körperliche Erkrankung. Diese falsche Vorstellung ist nicht nur fehlerhaft, sondern auch schädlich und führt zu Gefühlen der Scham und Isolation. In Wahrheit ist die Endometriose eine ernst zu nehmende Erkrankung, die ärztliche Begleitung erfordert.

Menschen mit Endometriose sehen sich auch oft ungerechten Erwartungen und Urteilen anderer ausgesetzt. Ihnen wird möglicherweise vorgeworfen, dass sie sich nicht genug anstrengen, um ihre Symptome in den Griff zu bekommen. Auch werden sie manchmal als faul oder unmotiviert wahrgenommen, obwohl sie sich in Wirklichkeit aufgrund von chronischen Schmerzen und Müdigkeit schonen müssen. Sogar Angehörige können sich negativ äußern und die Betroffenen beschuldigen, ihre Symptome zu übertreiben oder ihre Erkrankung als Ausrede zu benutzen, um sich vor Aufgaben zu drücken.

Zusätzlich sind viele Menschen mit Endometriose mit Fruchtbarkeitsstörungen konfrontiert, und es können bestimmte Erwartungen der Gesellschaft an Weiblichkeit und Elternschaft zu großem Druck und Stress führen. Wer von den gesellschaftlichen Normen und Geschlechterrollen abweicht, wird möglicherweise als unvollkommen angesehen und sieht sich unerwünschten Ratschlägen und herabwürdigenden Kommentaren über die eigene Fruchtbarkeit ausgesetzt.

Der Einfluss der Stigmatisierung

Das Stigma, das Endometriose umgibt, kann tiefgreifende und weitreichende Folgen für die Betroffenen haben. Der Glaube, dass die Beschwerden etwas Normales sind, oder die Angst, verurteilt oder abgewiesen zu werden, können dazu führen, dass die Suche nach medizinischer Hilfe aufgeschoben wird, was letztlich zu einer Verzögerung der Diagnose und einem Ausbleiben einer wirksamen Behandlung führt. In der Regel dauert es 7 bis 10 Jahre nach Auftreten der Symptome, bis eine Diagnose gestellt wird, oft nach anfänglichen Fehldiagnosen, die das Vertrauen in die Medizin untergraben können. Darüber hinaus kann die Erfahrung mit Stigmatisierung Gefühle der Frustration, Einsamkeit, Selbstzweifel und Scham hervorrufen, die den ohnehin schon schwierigen Weg des Lebens mit Endometriose noch beschwerlicher machen.

Strategien für Veränderung

Um das Schweigen und das Stigma rund um Endometriose zu durchbrechen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen, um das Bewusstsein und das Verständnis zu verbessern. Hier sind einige praktische Strategien, die dir helfen können, einen positiven Einfluss zu haben:

  1. Informiere dich selbst und andere

    Lern mehr über Endometriose, die Symptome und die möglichen Folgen, um genaue Informationen weiterzugeben und falsche Vorstellungen zu entkräften. 

  2. Erzähl deine Geschichte

    Sprich offen und ehrlich über deine Erfahrungen mit Endometriose, sei es mit Freunden und Familie, Kollegen oder in Online-Communities. Indem du deine Geschichte erzählst, kannst du andere dazu inspirieren, es ebenfalls zu tun, und so einen Dominoeffekt auslösen. Dies kann dazu beitragen, die Krankheit bekannter zu machen und anderen, die unter denselben Symptomen leiden, das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein.

  3. Übe dich in Selbstmitgefühl

    Mach dir bewusst, dass Vorurteile und negative Bemerkungen oft ein Spiegelbild der Person sind, die sie äußert, und nicht der Person, die sie zu spüren bekommt. Verinnerliche diese negativen Meinungen oder Haltungen nicht und sei freundlich zu dir selbst. Du stehst nicht allein da und verdienst es, gesehen und respektiert zu werden. 

  4. Unterstütze andere

    Wende dich an Freunde, Familienmitglieder und Bekannte, die möglicherweise ebenfalls von Endometriose betroffen sein könnten, und biete ihnen deine emotionale Unterstützung und dein offenes Ohr an.

  5. Setz dich für Veränderung ein

    Nutze deine Stimme, um dich in deiner Region, an deinem Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen für mehr Bewusstsein für Endometriose einzusetzen und für die Behandlung, die du verdienst. Setz dich für die Bereitstellung von mehr finanziellen Mitteln für die Erforschung der Krankheit ein und ermutige andere, das Gleiche zu tun.

Fazit

Gemeinsam können wir auf eine inklusivere und solidarischere Gesellschaft hinarbeiten, in der Personen mit Endometriose nicht länger stigmatisiert werden und die Versorgung und das Verständnis erhalten, das sie verdienen. Um diese Fehlvorstellungen auszuräumen und einen Wandel zu erreichen, sind kollektive Anstrengungen notwendig. Mach noch heute den ersten Schritt, indem du deine eigenen Erfahrungen mit Endometriose und Stigmatisierung in den Kommentaren unten oder über das Kontaktformular mitteilst. Deine Stimme zählt!

Weitere Informationen

Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du unten eine Auswahl an wissenschaftlichen Artikeln. Solltest du allerdings eher nach leicht verständlichen Informationen und praktischen Ratschlägen suchen, kannst du einen Blick auf künftige Blogbeiträge zu diesem Thema werfen oder dich mit deinen Fragen über das Kontaktformular an mich wenden.

  • Cole, J. M., Grogan, S., & Turley, E. (2020). “The most lonely condition I can imagine”: Psychosocial impacts of endometriosis on women’s identity. Feminism & Psychology, 31(2), 171–191. https://doi.org/10.1177/0959353520930602

  • Kocas, H. D., Rubin, L. R., & Lobel, M. (2023). Stigma and mental health in endometriosis. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology. X, 19, 100228. https://doi.org/10.1016/j.eurox.2023.100228

  • Tragantzopoulou, P. (2024). Endometriosis and stigmatization: A literature review. Journal of Endometriosis and Pelvic Pain Disorders. https://doi.org/10.1177/22840265241248488

  • Quinlivan, J., & Berg, M. L. D. (2021). Managing the stigma and women’s physical and emotional cost of endometriosis. Journal of Psychosomatic Obstetrics and Gynecology/Journal of Psychosomatic Obstetrics and Gynaecology, 42(1), 1–2. https://doi.org/10.1080/0167482x.2021.1883218

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Effektive Kommunikation von Grenzen: Umgang mit unerwünschten Ratschlägen und persönlichen Fragen rund um Endometriose