Die Kraft von Selbstmitgefühl bei der Bewältigung von Endometriose
Das Leben mit Endometriose kann eine tägliche Herausforderung sein. Du wachst auf und anstatt erfrischt und ausgeruht in den Tag zu starten, plagt dich ein vertrauter, nagender Schmerz in deinem Unterleib und fühlst du dich erschöpft. Dann fragst du dich, warum das immer wieder passiert, ob du vielleicht etwas falsch machst oder ob du einfach nicht stark genug bist. Die Gefühle von Frustration, Enttäuschung und Selbstzweifel können überwältigend sein.
Wenn du mit den belastenden Symptomen von Endometriose zu kämpfen hast, kannst du dich leicht in negativen Gedanken und Selbstvorwürfen verfangen. Aber was wäre, wenn du diese Selbstkritik loslassen und stattdessen mehr Freundlichkeit und Verständnis für dich selbst entwickeln könntest? In diesem Blogbeitrag gehen wir auf die Bedeutung von Selbstmitgefühl für das Leben mit Endometriose ein und wie es dabei helfen kann, mehr Ruhe und Resilienz zu erlangen.
Was bedeutet Selbstmitgefühl?
Selbstmitgefühl heißt, sich selbst mit Freundlichkeit, Verständnis und Akzeptanz zu begegnen, auch (oder gerade) wenn man mit Herausforderungen und Rückschlägen konfrontiert ist. Es bedeutet, anzuerkennen, dass die eigenen Gefühle und Empfindungen da sein dürfen und dass Schwierigkeiten und Unvollkommenheiten zum Menschsein dazugehören. Bezogen auf Endometriose bedeutet Selbstmitgefühl außerdem, die eigenen körperlichen Einschränkungen und die damit verbundenen Herausforderungen zu akzeptieren, ohne sich selbst die Schuld zu geben.
Damit ist nicht gemeint, dass du aufgibst, sondern dass du deinen Fokus von den unkontrollierbaren Dingen auf die Dinge verlagerst, die du selbst beeinflussen kannst, und dir dafür realistische Ziele setzt. Die Entwicklung von Selbstmitgefühl kann dir helfen, deine eigenen körperlichen und psychischen Bedürfnisse besser zu erkennen und Schritte zu mehr Wohlbefinden und Gesundheit zu unternehmen.
Praktische Strategien für mehr Selbstmitgefühl
Wie kannst du also Selbstmitgefühl in deinem täglichen Leben praktizieren? Hier sind einige Strategien, die du ausprobieren kannst:
Sei liebevoll zu dir selbst
Behandle dich selbst mit der gleichen Freundlichkeit und Sanftheit, die du den Menschen, die du liebst, zukommen lassen würdest. Gib dir die Erlaubnis, dich auszuruhen, nein zu sagen oder um Hilfe zu bitten, wenn du es brauchst.
Verbiege negative Gedanken
Hinterfrage deine innere kritische Stimme und versuche, negative Gedanken in eine neutrale oder positive Sprache umzuwandeln. Konkrete Beispiele:
"Ich bin schwach" vs. "Ich tue mein Bestes und es ist in Ordnung, mich auszuruhen, wenn ich es benötige".
"Ich habe versagt, weil ich wieder vergessen habe, meine Medikamente zu nehmen" vs. "Ich habe einen Fehler gemacht und das ist okay. Beim nächsten Mal werde ich besser aufpassen."
"Ich bin so eine Enttäuschung, weil ich an einem Tag so wenig leisten kann" vs. "Ich tue, was ich im Rahmen meiner Möglichkeiten machen kann und das ist genug"
Führe ein Tagebuch
Denke über die Dinge nach, die du getan hast und auf die du stolz bist. Feiere deine Erfolge, egal wie klein sie auch sein mögen!
Suche dir Unterstützung
Umgebe dich mit positiven Einflüssen und Menschen, die dich unterstützen und ermutigen. Es kann auch hilfreich sein, mit anderen in Kontakt zu treten, die verstehen, was du gerade durchmachst, z. B. in einer Selbsthilfegruppe oder über soziale Medien.
Sorge für dich selbst
Gönne dir Pausen und nimm dir Zeit für Aktivitäten, die dir Freude machen und dich entspannen, z. B. Lesen, ein heißes Bad oder Yoga.
Meditation und Achtsamkeit
Nimm dir im Laufe des Tages kleine Momente, in denen du dich auf deine Atmung konzentrierst und deine Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen beobachtest, ohne sie zu bewerten.
Entwickle eine Wachstumsmentalität
Wenn du mit Rückschlägen konfrontiert wirst oder Fehler machst, frage dich, was du daraus für die Zukunft lernen kannst, und gib dir Zeit, dich weiterzuentwickeln.
Fazit
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die viel Geduld, Verständnis und Mitgefühl erfordert - nicht nur von anderen, sondern vor allem von dir selbst. Indem du freundlich und sanft mit dir selbst umgehst, kannst du dein Selbstwertgefühl stärken, lernen, dir die Fürsorge zu geben, die du brauchst und verdienst, und die negativen Auswirkungen der Endometriose auf dein Wohlbefinden abmildern. Bedenke stets, dass es okay ist, zu fühlen, was du fühlst, und dass es ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche ist, deine Grenzen anzuerkennen.
Wie wendest du Selbstmitgefühl in deinem täglichen Leben an? Teile deine Geschichten und Tipps in den Kommentaren mit!
Weitere Informationen
Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du unten eine Auswahl an wissenschaftlichen Artikeln. Solltest du allerdings eher nach leicht verständlichen Informationen und praktischen Ratschlägen suchen, kannst du einen Blick auf künftige Blogbeiträge zu diesem Thema werfen oder dich mit deinen Fragen über das Kontaktformular an mich wenden.
Skinner, C. M., & Kuijer, R. G. (2024). Self-compassion and health-related quality of life in individuals with endometriosis. Psychology & Health, 1–18. https://doi.org/10.1080/08870446.2024.2325506
Van Niekerk, L., Dell, B., Johnstone, L., Matthewson, M., & Quinn, M. (2023). Examining the associations between self and body compassion and health related quality of life in people diagnosed with endometriosis. Journal of Psychosomatic Research, 167, 111202. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2023.111202
Koch, J. M., Ross, J. B., Karaffa, K. M., & Rosencrans, A. C. R. (2021). Self-Compassion, Healthy Lifestyle Behaviors, and Psychological Well-Being in Women. Journal of Prevention and Health Promotion, 2(2), 220–244. https://doi.org/10.1177/26320770211039214
Phillips, W. J., & Hine, D. W. (2019). Self-compassion, physical health, and health behaviour: a meta-analysis. Health Psychology Review, 15(1), 113–139. https://doi.org/10.1080/17437199.2019.1705872