Die Symptome von Endometriose: mehr als Regelschmerzen
Wenn Menschen an Endometriose denken, assoziieren sie die Krankheit meistens mit schmerzhaften Regelblutungen und Fruchtbarkeitsproblemen. Es gibt jedoch noch viele andere Symptome, die auftreten können und von denen einige dich möglicherweise überraschen werden. Von chronischen Unterleibsschmerzen bis hin zu Erschöpfung, Verdauungsproblemen und veränderter Stimmung - Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die sich auf vielfältige Weise äußern und den ganzen Körper betreffen kann. In diesem Artikel befassen wir uns mit den häufigen und auch den weniger bekannten Symptomen der Endometriose, den zugrundeliegenden Ursachen und vor allem mit der Frage, was zu tun ist, wenn du den Verdacht hast, dass du oder jemand, den du kennst, an Endometriose leiden könnte.
Symptome der Endometriose
Endometriose ist eine chronische und gutartige Erkrankung, die durch das Wachstum von Gebärmutterschleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutter gekennzeichnet ist und eine Reihe von Symptomen verursachen kann. Bei manchen Menschen treten nur wenige oder gar keine Beschwerden auf, während andere unter belastenden Symptomen leiden. Viele dieser Symptome sind kurz vor und während der Menstruation am stärksten ausgeprägt, können aber zu jeder Zeit des Zyklus auftreten. Obwohl jede Person ganz individuelle Erfahrungen mit Endometriose macht, gibt es einige Symptome, die als charakteristisch für die Erkrankung gelten, darunter:
Beckenschmerzen
Schmerzen im Unterleib gehören zu den häufigsten Symptomen der Endometriose und können von leicht bis sehr schwer reichen, wobei die Schmerzen oft mit der Zeit zunehmen. In vielen Fällen können die Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) so stark ausgeprägt sein, dass die Teilnahme an alltäglichen Aktivitäten nicht möglich ist. Zudem sprechen die Betroffenen oft kaum auf Schmerzmittel an. Unterleibsschmerzen können auch außerhalb der Periode zu jeder Zeit während des Menstruationszyklus auftreten und chronisch werden.
Starke oder unregelmäßige Menstruationsblutungen
Starke oder lang anhaltende (> 7 Tage) Blutungen, große Blutklumpen, unregelmäßige Perioden oder Schmierblutungen zwischen den Perioden können Anzeichen für Endometriose sein.
Fruchtbarkeitsprobleme
Bis zu 30-50 % der Betroffenen leiden unter Fertilitätsstörungen, was die Lebensqualität und Partnerbeziehungen stark beeinträchtigen kann.
Verdauungsbeschwerden
Endometriose kann zu Problemen mit der Verdauung führen, z. B. Blähungen (oft als „Endo belly“ bezeichnet), Durchfall oder Verstopfung, die konstant oder zyklisch auftreten können.
Erschöpfung
Die Erschöpfung ist bei Menschen mit Endometriose eng mit den Beckenschmerzen verbunden und kann chronisch werden sowie die Betroffenen in ihrem täglichen Leben stark einschränken. Sie wird oft von „Brain Fog“ begleitet, mit kognitiven Beeinträchtigungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisproblemen.
Schmerzen beim oder nach dem Sex
Für viele Menschen mit Endometriose kann Sex eine schmerzhafte Erfahrung sein, wenn sich Endometrioseherden in der Nähe der Vagina, des Gebärmutterhalses oder anderer Strukturen im Beckenbereich befindet. Die Schmerzen beim oder nach dem Sex (Dyspareunie) können von leicht bis schwer reichen und das sexuelle Wohlbefinden und die allgemeine Lebensqualität erheblich beeinflussen.
Kopfschmerzen
Endometriose ist mit einem höheren Risiko für Kopfschmerzen und Migräne verbunden, was auf ein hormonelles Ungleichgewicht und eine höhere Schmerzempfindlichkeit des Gehirns zurückzuführen sein könnte.
Veränderte Stimmung
Viele Menschen mit Endometriose leiden unter Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Angstzuständen und Depressionen als Folge der Hormonschwankungen, zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden und der Belastung durch die Krankheit.
Andere, weniger bekannte Symptome, die bei manchen Menschen mit Endometriose auftreten können, sind:
Schmerzhafter Stuhlgang (Dyschezia)
Häufiges (Polyurie) oder schmerzhaftes Wasserlassen (Dysurie)
Schmerzen des Ischiasnervs im unteren Rücken und in den Beinen
(Zyklische) Rektalblutungen
Geringgradiges Fieber
Gelenkschmerzen
Schlafstörungen
Höhere Anfälligkeit für Allergien, Unverträglichkeiten und Infektionen
Es ist wichtig zu wissen, dass nicht jede Person mit Endometriose alle genannten Symptome aufweist und die Intensität der Beschwerden nicht immer mit dem Schweregrad der Endometriose übereinstimmt. Bei Personen mit umfangreichen Endometrioseherden und Verwachsungen treten in manchen Fällen kaum Symptome auf, während bei Personen mit wenigen oberflächlichen Herden die Symptome sehr einschränkend sein können. In manchen Fällen wird die Endometriose erst dann diagnostiziert, wenn die Betroffenen wegen eines unerfüllten Kinderwunsches Hilfe suchen. Die Symptome können auch im Laufe der Zeit schwanken und werden durch verschiedene Faktoren wie hormonelle Medikamente, Ernährung, Lebensstil, Schwangerschaft oder Menopause beeinflusst.
Warum treten diese Symptome auf?
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, an anderen Stellen des Körpers wächst, unter anderem im Becken, am Bauchfell, an Organen wie Blase und Darm und seltener auch außerhalb der Bauchhöhle. Dieses fehlplatzierte Gewebe reagiert genau wie die Gebärmutterschleimhaut auf hormonelle Signale, verdickt sich während des Zyklus und blutet während der Menstruation. Da dieses Blut nirgendwo hin kann, verursacht es Entzündungen, Schmerzen, Narbengewebe und Verwachsungen zwischen den Organen. Es kann auch zur Bildung von Zysten führen, die häufig an den Eierstöcken zu finden sind. Diese Mechanismen tragen zu einer ganzen Reihe von Symptomen bei, die den ganzen Körper betreffen, wie wir oben gesehen haben.
Entzündungen
Entzündungsreaktionen, die durch die Endometrioseherde verursacht werden, führen unter anderem zu Schmerzen, Erschöpfungszuständen und Verdauungsproblemen und können sich negativ auf die Spermienmotilität auswirken.
Verwachsungen und Narbengewebe
Verwachsungen und Narbengewebe zwischen und auf Organen und anderen Oberflächen im Unterleib bewirken, dass die Kontraktionen der Gebärmutter während der Menstruation zusätzlich schmerzhaft sind und können zu Nervenreizungen führen. Dieses fibröse Gewebe kann auch den Weg einer Eizelle vom Eierstock zur Gebärmutter blockieren und eine Kompression der Harnröhre oder des Darms verursachen, was zu Schmerzen bei der Ausscheidung führt.
Hormonelles Ungleichgewicht
Endometriose steht im Zusammenhang mit überdurchschnittlich hohen Östrogen- und niedrigen Progesteronspiegeln. Dieses Ungleichgewicht wirkt sich auf die Verdauung (z. B. Blähungen), das Energieniveau, die Stimmung, den Schlaf und die Fruchtbarkeit aus. Insbesondere Östrogen spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Endometrioseherden.
Störung der Immunabwehr
Obwohl die Endometriose offiziell nicht als Autoimmunerkrankung gilt, gibt es zunehmend Hinweise auf eine gestörte Funktion des Immunsystems bei den Betroffenen. Neben systemischen Entzündungsreaktionen geht dies u. a. mit einem höheren Risiko für die Entwicklung von Allergien und Infektionen einher.
Eierstockzysten
Zysten können Schmerzen und Blähungen im Unterbauch verursachen und die Aktivität des betroffenen Eierstocks beeinträchtigen. Außerdem besteht die Gefahr, dass eine Zyste aufplatzt, was einen medizinischen Notfall darstellen kann.
Was tun, wenn du vermutest, dass du Endometriose hast?
Wenn du den Verdacht hast, dass du oder jemand, den du kennst, an Endometriose leidet, kannst du einige Schritte unternehmen:
Suche ärztliche Hilfe
Zuallererst ist es wichtig, dass du deine Symptome und deine medizinische Vorgeschichte mit einer Ärztin oder einem Arzt besprichst, vorzugsweise mit Expertise im Bereich Endometriose. Er oder sie wird in der Regel mehrere diagnostische Verfahren wie eine Tastuntersuchung des Beckens und eine Ultraschalluntersuchung durchführen und möglicherweise eine Bauchspiegelung vorschlagen, um die Diagnose zu bestätigen. Die Suche nach ärztlicher Hilfe ist sehr wichtig, um rechtzeitig eine geeignete Behandlung einzuleiten und andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.
Führe ein Symptomtagebuch
Wenn du deine Symptome und deinen Menstruationszyklus in einem Tagebuch festhältst, kannst du effektiver mit deiner Ärztin oder deinem Arzt kommunizieren, Muster erkennen und den Behandlungserfolg evaluieren. Es kann sinnvoll sein, die Häufigkeit und Intensität der Symptome und mögliche Faktoren, die sie verschlimmern oder lindern, wie Ernährung, Stress, Sport und Schlaf, festzuhalten.
Probiere verschiedene Möglichkeiten zur Symptombekämpfung aus
Üblicherweise wird eine Ärztin oder ein Arzt zunächst eine Hormonbehandlung vorschlagen, wie z. B. die Pille oder eine Hormonspirale, in Kombination mit Schmerzmitteln. Wenn die Beschwerden nicht auf ein erträgliches Maß zurückgehen, wird er oder sie in vielen Fällen eine Bauchspiegelung vorschlagen, um die eventuellen Endometrioseherde zu entfernen und die Diagnose offiziell zu bestätigen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Methoden, die du in Absprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ausprobieren kannst, um deine Symptome in den Griff zu bekommen und deine Lebensqualität zu verbessern, z. B. Physiotherapie, Änderung der Ernährung und des Lebensstils sowie Yoga. Sei dir bewusst, dass der Verlauf der Erkrankung bei jeder Person einzigartig ist und dass das, was bei der einen Person hilft, bei der anderen vielleicht nicht funktioniert, und umgekehrt.
Suche dir Unterstützung
Wenn du deine Erfahrungen und Emotionen mit deinen Liebsten teilst, kann das gegen das Gefühl der Einsamkeit und Unsicherheit helfen. Vielleicht kann jemand, der dir nahe steht, dich zu deinem ersten Arzttermin begleiten, wenn du dich davor fürchtest. Außerdem kann es sehr wertvoll sein, sich mit anderen auszutauschen, die mit Endometriose leben und verstehen, was du gerade durchmachst, zum Beispiel über soziale Medien, Blogs wie diesen oder Selbsthilfegruppen.
Fazit
Um eine rechtzeitige Diagnose und eine angemessene Behandlung zu ermöglichen, ist es wichtig, die verschiedenen Symptome zu kennen, die Endometriose verursachen kann. Je früher du spezialisierte Hilfe in Anspruch nimmst, desto günstiger sind deine Chancen für den weiteren Verlauf der Erkrankung und deine Lebensqualität. Ob eine Person, die mit Endometriose lebt, Symptome hat, welche das sind und wie stark und einschränkend sie sind, ist sehr individuell. Wenn bei dir der Verdacht besteht, dass du an Endometriose leidest, ist es wichtig, dass du aktiv wirst und deine Symptome und Bedenken mit einer Ärztin oder einem Arzt deines Vertrauens besprichst. Falls du das Gefühl hast, dass man dir nicht zuhört und du keine ausreichenden Antworten auf deine Fragen bekommst, zögere nicht, eine zweite Meinung einzuholen.
Wurde bei dir auch Endometriose diagnostiziert oder vermutest du, dass du daran leiden könntest? Teile deine Geschichte in den Kommentaren unten und hilf anderen zu wissen, dass sie nicht allein sind.