Wie TENS die Behandlung von Endometrioseschmerzen verbessern kann
Akute und chronische Schmerzen, z. B. im Becken, im unteren Rücken oder in den Beinen, gehören zu den häufigsten Symptomen von Endometriose, einer chronischen Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe an anderen Stellen des Körpers ansiedelt. Schmerzmittel, Hormontherapien und chirurgische Eingriffe sind die gängigsten Mittel zur Behandlung dieser Symptome. Da diese aber oft keine ausreichende Linderung bringen, suchen immer mehr Menschen nach zusätzlichen Methoden der Schmerzlinderung. Eine vielversprechende Möglichkeit ist die transkutane elektrische Neurostimulation, kurz TENS. In diesem Artikel erfährst du, was TENS ist, wie die Methode bei Endometriose helfen kann und wie du sie selbst anwenden kannst.
Was ist TENS?
TENS, die transkutane elektrische Nervenstimulation, ist eine bequeme und nicht-invasive Methode zur Schmerzlinderung, die du einfach zu Hause oder an einem beliebigen Ort anwenden kannst. Das TENS-Gerät sendet über Elektroden auf der Haut leichte elektrische Impulse an das umliegende Gewebe. Durch diese Impulse wird die Weiterleitung der Schmerzsignale über die Nerven an das Gehirn gestört. Auch regt diese Form der Stimulation die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzmitteln, an. Die Anwendung eines TENS-Gerätes ist einfach, kostengünstig und risikoarm.
Wirksamkeit von TENS bei Endometriose
Die Wirksamkeit von TENS bei der Behandlung verschiedener Formen von akuten und chronischen Schmerzen wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Obwohl die Forschung zur Anwendung von TENS bei Endometriose noch begrenzt ist, sind die ersten Studienergebnisse vielversprechend, da sie eine Verringerung der Schmerzintensität und eine Verbesserung der Lebensqualität zeigen. Insbesondere wurden positive Effekte bei zweimal täglicher Anwendung von jeweils 20 Minuten über einen Zeitraum von 8 Wochen beobachtet. Die Dauer der Schmerzlinderung und die individuellen Erfahrungen mit TENS sind aber unterschiedlich.
Es ist wichtig zu beachten, dass TENS als ergänzende Methode zur Symptomkontrolle angesehen werden sollte. TENS kann zwar die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, aber nicht die eigentliche Ursache des Schmerzes behandeln. Suche daher immer Rat bei einer Ärztin oder einem Arzt zur Erstellung eines individuellen, auf deine Bedürfnisse zugeschnittenen Behandlungsplans.
Wie benutze ich ein TENS-Gerät?
Wenn du ein TENS-Gerät zur Linderung deiner Endometrioseschmerzen verwenden möchtest, ist es wichtig zu wissen, wie du es richtig anwendest, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Hier kommt eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung, die dir den Einstieg erleichtern soll:
Wähle ein Gerät aus
Es gibt verschiedene Modelle von TENS-Geräten, von einfachen bis hin zu fortgeschrittenen Modellen. Wähle ein Gerät, das deinen Bedürfnissen und deinem Budget entspricht und bei dem du zwischen verschiedenen Programmen wählen und die Intensität einstellen kannst.
Informiere dich über die richtige Anwendung
Um eine maximale Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten, solltest du die Gebrauchsanweisung deines Geräts im Voraus lesen und die Anweisungen genau befolgen. Es gibt auch Anleitungsvideos im Internet oder frage einfach deine(n) Arzt:in oder Physiotherapeut:in um Rat.
Die Haut vorbereiten
Achte darauf, dass deine Haut sauber, trocken und frei von Cremes oder Ölen ist. Trage eine kleine Menge Elektrodengel auf die Stelle auf, an der du die Elektroden anbringen wirst.
Anbringen der Elektroden
Platziere die Elektroden in dem Bereich, in dem du Schmerzen verspürst, entsprechend der Gebrauchsanweisung mit ausreichendem Abstand. Die Gebrauchsanweisung beschreibt oft anhand von Bildern verschiedene Möglichkeiten der Platzierung. Bei Schmerzen im Beckenbereich ist es sinnvoll, die Elektroden am Unterbauch und/oder am unteren Rücken anzubringen.
Wähle ein Programm
Die meisten Geräte bieten verschiedene Programme und Modi mit unterschiedlichen Pulsfrequenzen und -dauern. Schau im Handbuch nach, welches Programm am besten zu deinen Schmerzsymptomen passt.
Starte mit niedriger Intensität
Fang mit einer niedrigen Intensität an und steigere sie langsam, bis du ein Kribbeln spürst, das nicht schmerzhaft ist und keine Muskelkontraktionen verursacht. Nach ein paar Minuten kann es sein, dass du die Intensität etwas erhöhen musst. Das liegt daran, dass sich der Körper langsam an die Reize gewöhnt.
Ende der TENS-Sitzung
Jetzt kannst du das Gerät ausschalten und die Kabel von den Elektroden abziehen. Dann wisch die klebrige Seite der Elektroden einfach mit etwas Wasser und Seife ab (oder gemäß den Anweisungen im Handbuch) und trockne sie mit einem Mikrofasertuch. Wenn die Elektroden nicht mehr richtig auf der Haut kleben, sollten sie ersetzt werden.
Du kannst das TENS-Gerät so oft am Tag verwenden, wie du möchtest, solange du keine Beschwerden oder Hautreizungen verspürst. Persönliche Erfahrungen mit TENS können unterschiedlich sein. Es kann also eine Weile dauern, bis du ein Programm und eine Elektrodenplatzierung findest, die für dich geeignet sind. Wenn du möchtest, kannst du ein Notizbuch führen, in dem du für jede Sitzung aufschreibst, welches Programm du verwendet hast und wie stark deine Schmerzen vor und nach der Sitzung waren.
Kann ich ein TENS-Gerät bedenkenlos verwenden?
Grundsätzlich ist die Verwendung eines TENS-Geräts sicher. Es gibt aber einige Situationen, in denen davon abzuraten ist. Verwende das TENS-Gerät nicht, bei:
Schwangerschaft
Epilepsie
Herzproblemen
Herzschrittmachern oder anderen elektrischen und/oder metallischen Implantaten
Tiefer Venenthrombose
Beschädigter, gereizter oder entzündeter Haut
Lymphödem
Bevor du ein TENS-Gerät verwendest, ist es wichtig, mit deinem Arzt oder deiner Ärztin zu besprechen, ob es einen bestimmten Grund gibt, warum diese Methode für dich nicht geeignet ist. Er oder sie kann dir auch zeigen, wie und wo du die Elektroden am besten anbringst. Du solltest unbedingt auch die Gebrauchsanweisung deines TENS-Geräts lesen und die Anweisungen für dein Gerät befolgen. Hier sind ein paar allgemeine Sicherheitsvorkehrungen, die du beachten solltest:
Vermeide den Kontakt mit Wasser.
Klebe die Elektroden nicht auf den Kopf, den Hals, den Brustbereich oder die Wirbelsäule.
Wenn du irgendwelche unerwünschten Reaktionen wie Unbehagen oder Juckreiz spürst, breche die Anwendung sofort ab.
Fazit
TENS ist eine vielversprechende und benutzerfreundliche Methode zur Schmerzlinderung, die ergänzend zu anderen Behandlungsmodalitäten bei Endometriose eingesetzt werden kann. Obwohl die Wirksamkeit bei Endometriose-Patient:innen noch weiter erforscht werden muss, zeigen erste Studien, dass die wiederholte Anwendung von TENS dazu beitragen kann, Schmerzsymptome wie chronische Beckenschmerzen zu verringern und die empfundene Lebensqualität zu verbessern. Doch bevor du mit TENS loslegst, solltest du dich gründlich über die richtige Anwendung des Geräts informieren und mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprechen, ob diese Methode für dich geeignet ist.
Ich selbst habe bereits einige Erfahrungen mit TENS gemacht, über die ich in einem späteren Artikel berichten werde. Und du, hast du TENS schon einmal ausprobiert? Oder hält dich vielleicht etwas davon ab?
Weitere Informationen
Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du unten eine Auswahl an wissenschaftlichen Artikeln. Solltest du allerdings eher nach leicht verständlichen Informationen und praktischen Ratschlägen suchen, kannst du einen Blick auf künftige Blogbeiträge zu diesem Thema werfen oder dich mit deinen Fragen über das Kontaktformular an mich wenden.
Mira, T. A., Yela, D. A., Podgaec, S., Baracat, E. C., & Benetti-Pinto, C. L. (2020). Hormonal treatment isolated versus hormonal treatment associated with electrotherapy for pelvic pain control in deep endometriosis: Randomized clinical trial. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology, 255, 134–141. https://doi.org/10.1016/j.ejogrb.2020.10.018
Mira, T. A., Giraldo, P. C., Yela, D. A., & Benetti-Pinto, C. L. (2015). Effectiveness of complementary pain treatment for women with deep endometriosis through Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation (TENS): randomized controlled trial. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology, 194, 1–6. https://doi.org/10.1016/j.ejogrb.2015.07.009
Babazadeh-Zavieh, S. S., Tajali, S. B., Haeri, S. M. J., & Shamsi, A. (2022). Effects of Transcutaneous electrical nerve Stimulation on Chronic Pelvic Pain in Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. Complementary Medicine Research, 30(2), 161–173. https://doi.org/10.1159/000528133