Als Paar mit Endometriose umgehen: Tipps zur gegenseitigen Unterstützung

Im vorangegangenen Artikel haben wir besprochen, wie sich Endometriose auf Liebesbeziehungen auswirken kann. Dabei haben wir nicht nur die häufigen Probleme hervorgehoben, sondern auch die einzigartigen Möglichkeiten für Wachstum und Vertiefung der Beziehung, die sich aus diesen gemeinsamen Erfahrungen ergeben können. Für Paare, die mit den körperlichen, emotionalen und praktischen Herausforderungen dieser chronischen Erkrankung konfrontiert sind, ist es wichtig, wirksame Strategien zu entwickeln, um einander zu unterstützen. Dieser Artikel bietet daher nützliche Tipps, wie die gegenseitige Unterstützung zwischen den Partner:innen gestärkt werden kann und wie man gemeinsam mehr Wohlbefinden im Alltag erleben kann.

10 Tipps für Paare mit Endometriose

Eine helfende Hand.
  1. Informiert euch

    Nehmt euch Zeit, um mehr über Endometriose zu erfahren. Die Krankheit, ihre Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und möglichen Auswirkungen auf das tägliche Leben zu verstehen, kann das Gefühl geben, die Situation besser unter Kontrolle zu haben. Außerdem können Partner:innen dadurch besser begreifen, was die geliebte Person durchmacht. Geht gemeinsam mit euren Fragen zu einem Arzt oder einer Ärztin, lest Bücher oder Artikel und überlegt euch, ob ihr vielleicht eine Vorlesung oder einen Workshop besuchen wollt.

  2. Übt, offen zu sprechen und aktiv zuzuhören

    Eine gute Kommunikation ist in jeder Beziehung wichtig, wird aber noch entscheidender, wenn man mit einer chronischen Krankheit zu tun hat. Ermutige deinen Partner oder deine Partnerin, offen über seine/ihre Gefühle, Sorgen und Bedürfnisse zu sprechen. Stelle Fragen und versuche zuzuhören, ohne zu urteilen, und die Erfahrungen des anderen anzuerkennen.

  3. Kümmert euch umeinander und um euch selbst

    Füreinander da zu sein, geht über praktische Hilfe hinaus und kann auch so einfach sein wie das Schreiben einer süßen Nachricht, ein Kuss im Vorbeigehen oder das Verbringen von Zeit zu zweit, z. B. auf der Couch kuscheln und einen Film ansehen. Um füreinander da sein zu können, ist es wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und zu entspannen, z. B. durch Hobbys, Treffen mit Freund:innen, Zeit in der Natur oder einfach mal nichts tun.

  4. Setzt realistische Erwartungen und bleibt flexibel

    Die Symptome von Endometriose können im Laufe der Zeit in Ausmaß und Intensität variieren. Jeder Tag kann anders aussehen. Daher ist es wichtig, dies bei eurer Zeitplanung zu berücksichtigen, indem ihr Ruhepausen einplant und Raum für eine Verschiebung von Aktivitäten lasst. Ein Plan B oder sogar C in Reserve für schlechtere Tage kann helfen, Enttäuschungen zu vermeiden.

  5. Geduld und Einfühlungsvermögen

    Endometriose kann viele schwierige Gefühle mit sich bringen, sowohl für die Betroffene als auch für ihre Partner:innen. Versuche, dich in die Gefühle deines Partners oder deiner Partnerin hineinzuversetzen und nimm dir die Zeit, der anderen Person zuzuhören. Frage, was die andere Person in diesem Moment von dir braucht.

  6. Über Sexualität sprechen

    In jeder Beziehung ist es sinnvoll, frei und ehrlich über das Thema Sexualität zu sprechen. Da viele Menschen mit Endometriose beim penetrativen Sex Schmerzen empfinden, kann es wertvoll sein, Alternativen wie Oralsex, andere Stellungen, die Verwendung von Sexspielzeugen oder sinnliche Massagen zu erkunden. Lasst eurer Fantasie freien Lauf bei gleichzeitigem Respekt vor den Grenzen der anderen Person.

  7. Weitere Formen der Intimität erforschen

    Neben Sex gibt es viele andere Möglichkeiten, Intimität zu erleben, z. B. Kuscheln, Hand in Hand gehen oder tiefgehende Gespräche führen. Stellt das Genießen der Gegenwart der anderen Person und das Eingehen auf deren Bedürfnisse in den Vordergrund.

  8. Baut ein unterstützendes Netzwerk auf

    Über die Liebe und Unterstützung hinaus, die ihr euch als Partner:innen gebt, kann es von Vorteil sein, ein größeres Netzwerk aus Freund:innen, Familie und möglicherweise einer Selbsthilfegruppe aufzubauen. Menschen zu haben, an die man sich wenden kann, um emotionale Unterstützung, Ermutigung oder praktische Hilfe zu erhalten, kann einen großen Unterschied machen. Vor allem der Erfahrungsaustausch mit anderen, die ähnlichen Situationen durchleben, kann dazu beitragen, dass ihr euch weniger allein fühlt.

  9. Die kleinen Dinge genießen

    Wenn man mit Endometriose zu tun hat, kann es allzu leicht passieren, dass man sich auf die körperlichen Symptome und Schwierigkeiten konzentriert. Obwohl dies natürlich Aufmerksamkeit verdient, ist es ebenso wichtig, regelmäßig darüber nachzudenken, was in eurem Leben gut läuft und die kleinen Momente des Glücks wahrzunehmen. Das können ganz simple Dinge sein, wie eine leckere Tasse Kaffee zu trinken oder gemeinsam einen Sonnenuntergang zu genießen. Nehmt euch Zeit, um zusammen auch regelmäßig Spaß zu haben und die Schönheit der alltäglichen Dinge zu entdecken.

  10. Professionelle Hilfe aufsuchen

    Wenn die psychische Belastung durch Endometriose zu groß wird, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen - individuell oder als Paar. Eine Psychotherapie kann einen sicheren Raum bieten, in dem ihr eure Gefühle und Sorgen ausdrücken könnt. Außerdem kann eine Therapeutin oder ein Therapeut euch helfen, effektive Bewältigungsstrategien zu entwickeln und die Kommunikation in eurer Beziehung zu verbessern.

Fazit

In diesem Artikel wurde eine Reihe von Wegen aufgezeigt, wie man sich gegenseitig als Partner:innen im Umgang mit Endometriose unterstützen und ein größeres Wohlbefinden im Alltag als Paar erreichen kann. Einige dieser Dinge sind natürlich leichter gesagt als getan. Mit Endometriose leben zu lernen ist ein Wachstumsprozess, der auch schwierigere Momente einschließt. Hinzu kommt, dass sich Beziehungen ständig weiterentwickeln. Deshalb kommt es darauf an, immer wieder neu herauszufinden, was euch in eurer einzigartigen Situation weiterbringt. Das Wichtigste ist, jeden Tag aufs Neue aufeinander zuzugehen.

Hast du noch weitere Tipps oder Erfahrungen, die dir und deinem Partner oder deiner Partnerin im Umgang mit Endometriose geholfen haben? Teile sie gerne in den Kommentaren mit!

Weitere Informationen

Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du unten eine Auswahl an wissenschaftlichen Artikeln. Solltest du allerdings eher nach leicht verständlichen Informationen und praktischen Ratschlägen suchen, kannst du einen Blick auf künftige Blogbeiträge zu diesem Thema werfen oder dich mit deinen Fragen über das Kontaktformular an mich wenden.

  • Facchin, F., Buggio, L., Vercellini, P., Frassineti, A., Beltrami, S., & Saita, E. (2021). Quality of intimate relationships, dyadic coping, and psychological health in women with endometriosis: Results from an online survey. Journal of Psychosomatic Research, 146, 110502. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2021.110502

  • Weitkamp, K., Feger, F., Landolt, S. A., Roth, M., & Bodenmann, G. (2021). Dyadic Coping in Couples Facing Chronic Physical Illness: A Systematic review. Frontiers in Psychology, 12. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.722740

  • Shrout, M. R., Weigel, D. J., & Laurenceau, J. (2023). Couples and concealable chronic illness: Investigating couples’ communication, coping, and relational well-being over time. Journal of Family Psychology, 38(1), 136–148. https://doi.org/10.1037/fam0001136

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Über Hoffnung und Enttäuschung: Ups and Downs in meinem Leben mit Endometriose

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Endometriose und Liebesbeziehungen: Herausforderungen und Chancen