Über den Endo Belly: Ein oft übersehenes Symptom von Endometriose
Wer mit Endometriose lebt, hat im Alltag oft mit verschiedenen Symptomen zu kämpfen, die weit über starke Regelschmerzen hinausgehen. Ein häufiges unangenehmes Problem ist der „Endo Belly“, ein starker Blähbauch, bei dem der Bauch so stark anschwillt, dass er aussieht, als wäre man mehrere Monate schwanger. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, was genau ein Endo Belly ist, welche Faktoren ihn begünstigen und besprechen einige praktische Tipps für mehr Wohlbefinden.
Was ist der Endo Belly?
Der Begriff Endo Belly bezieht sich auf die starken und oft schmerzhaften Blähungen, die bei vielen Menschen mit Endometriose auftreten, oft in den Tagen vor der Menstruation oder bei einer Hormontherapie, teilweise bedingt durch Veränderungen im Hormonspiegel. Im Gegensatz zu den vorübergehenden Blähungen, die nach dem Essen auftreten können, kann dieser Blähbauch stunden- oder sogar tagelang anhalten und unabhängig von einer Mahlzeit auftreten. Der geschwollene Bauch kann sich hart, schwer und voll anfühlen, und die Größe kann der eines schwangeren Bauches im zweiten Trimester ähneln. Dies kann dazu führen, dass die Kleidung nicht mehr bequem sitzt, dass körperliche Bewegung unangenehm ist und dass sich der Appetit verringert. Darüber hinaus kann sich der Endo Belly negativ auf das Körperbild auswirken.
Wie häufig kommt es vor?
Es gibt keine genauen Zahlen, aber Studien deuten darauf hin, dass zwischen 80 und 90 % der Menschen mit Endometriose in gewissem Maße mit dem Endo Belly zu tun haben. Darüber hinaus treten andere Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall und Schmerzen beim Stuhlgang häufig in Verbindung mit Endometriose auf. Dabei ist zu beachten, dass dies nicht unbedingt bedeutet, dass Läsionen am oder im Darm vorhanden sind; dies ist nur bei einer kleineren Gruppe von Patient:innen der Fall.
Sowohl die Betroffenen als auch Ärzt:innen bringen das Auftreten dieser Symptome meist nicht sofort mit einem gynäkologischen Problem in Verbindung. Stattdessen werden häufig andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen in Betracht gezogen, wie z. B. das Reizdarmsyndrom. Dies kann zu Fehldiagnosen oder einer verzögerten Diagnose führen, was das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Läsionen und möglicher Komplikationen erhöhen kann.
Die Mechanismen hinter dem Endo Belly
Doch was verursacht diese starken Blähungen? Die Gründe für die Entstehung des Blähbauches sind vielseitig und noch nicht vollständig geklärt. Mehrere Faktoren scheinen jedoch bei diesem lästigen Phänomen eine Rolle zu spielen:
Hormonelle Schwankungen
Endometriose ist eine Erkrankung, die stark von Östrogen bestimmt wird. Schwankungen des Hormonspiegels können die Symptome verschlimmern und die Verdauung beeinflussen, z. B. durch erhöhte Gasproduktion und Wassereinlagerungen.
Entzündungen
Das in der Bauchhöhle fehlplatzierte Endometriosegewebe kann Entzündungsreaktionen auslösen, die die Darmfunktion stören und zu erhöhter Schmerzempfindlichkeit und Unbehagen bei normalen Verdauungsvorgängen führen.
Ungleichgewicht der Darmflora
Viele Menschen mit Endometriose haben eine gestörte Darmflora, die Verdauungsprobleme verursachen kann. Dieses Ungleichgewicht wirkt sich auch auf den Hormonhaushalt aus, beispielsweise auf den Östrogenspiegel.
Verwachsungen und Narbengewebe
Aufgrund von Endometriose und möglicher Bauchoperationen können sich Verwachsungen oder Narbengewebe in der Bauchhöhle bilden. Dies kann die Beweglichkeit von Organen wie den Darm behindern und die normale Funktion beeinträchtigen.
Veränderungen im Nervensystem
Chronische Schmerzen und Entzündungsreaktionen können das Nervensystem verändern, wozu eine erhöhte Empfindlichkeit für Schmerzsignale gehört. Normale Empfindungen der Verdauung können dann als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten und/oder -allergien
Viele Menschen leiden neben Endometriose an bestimmten Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien, die oft mit starken Verdauungssymptomen einhergehen.
Praktische Tipps für den Umgang mit dem Endo Belly
Es gibt viele Faktoren, die zum Auftreten eines Blähbauchs beitragen, aber zum Glück gibt es auch einige Strategien, die dir helfen können, deine Symptome zu lindern und dein Wohlbefinden zu steigern. Hier sind einige Tipps:
Bequeme Kleidung
Wähle Kleidung, die flexibel und atmungsaktiv ist. Vermeide enge Hosen oder Gürtel, die Druck auf deinen Bauch ausüben können. Suche nach einer schönen, dehnbaren Hose oder einem locker sitzenden Kleid, in dem du dich wohl und selbstsicher fühlst, auch außerhalb des Hauses.
Ernährungstagebuch
Führe ein Tagebuch, in dem du alles notierst, was du isst und trinkst, sowie deine Symptome und deren Intensität im Laufe des Tages. Dies hilft dabei, mögliche triggernde Lebensmittel wie Milchprodukte, Gluten oder Fast Food zu identifizieren. Außerdem kannst du die FODMAP-Diät unter Anleitung einer Ernährungsfachkraft durchführen, um eventuelle Lebensmittelunverträglichkeiten zu untersuchen.
Angepasste Ernährung
Erwäge eine ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung, die hauptsächlich aus Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und gesunden Fetten, z. B. aus Nüssen und Samen, besteht. Versuche, die Aufnahme von Zucker, tierischen Produkten, Alkohol und verarbeiteten Lebensmitteln einzuschränken. Einige Menschen mit Endometriose berichten über eine Besserung ihrer Symptome durch eine vegane und/oder glutenfreie Ernährung.
Gesunde Trinkmenge
Achte auf eine ausreichende Trinkmenge (1,5 bis 2,5 Liter pro Tag), um die Verdauung und den Wasserhaushalt zu unterstützen. Kräutertees wie Pfefferminz oder Ingwer können helfen, Blähungen zu lindern.
Leichte körperliche Aktivität
Regelmäßige leichte sportliche Betätigung wie Wandern, Yoga oder Radfahren kann die Verdauung anregen und Blähungen lindern. Diese Aktivitäten sind nicht nur körperlich nützlich, sondern können sich auch positiv auf die psychische Gesundheit auswirken, indem sie Stress abbauen.
Stressbewältigung
Stress wirkt sich auf viele körperliche Prozesse negativ aus, darunter auf Entzündungsprozesse und den Hormonhaushalt. Versuche, Aktivitäten in dein tägliches Leben einzubauen, die dir helfen, dich zu entspannen, z. B. Atemübungen, Zeit in der Natur zu verbringen oder ein kreatives Hobby zu betreiben.
Bauchmassage
Wenn du unter Blähungen leidest, kann eine sanfte Bauchmassage mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn Linderung verschaffen. Dazu kannst du ein neutrales Öl, z. B. Mandelöl, verwenden.
Medizinische Unterstützung
Es ist wichtig, mit deinem Arzt oder deiner Ärztin zusammenzuarbeiten, um die Ursachen für deine Bauchbeschwerden zu beheben. Gemeinsam könnt ihr die für dich am besten geeignete Behandlung finden, sei es Schmerzmittel, eine Hormontherapie oder andere Optionen.
Psychotherapie
Wenn du schon länger mit psychischen Beschwerden zu kämpfen hast, z. B. Probleme mit deinem Selbstwertgefühl oder ein negatives Körperbild aufgrund von Endometriose, kann es sinnvoll sein, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Professionelle Hilfe kann dazu beitragen, die Gefühle rund um deine Erkrankung zu verarbeiten und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Meine persönliche Erfahrung
Seit meiner Bauchspiegelung habe ich regelmäßig mit dem Endo Belly zu tun, was wahrscheinlich zum Teil auf das Narbengewebe zurückzuführen ist, das sich nach der Operation in meinem Bauchraum gebildet hat. Vor allem mein Unterbauch schwillt sehr stark an und fühlt sich oft hart an. Die daraus resultierende Spannung an der Bauchdecke ist unangenehm und manchmal auch schmerzhaft. Bei Hosen, in die ich morgens sehr locker hineinpasse, bekomme ich oft nach ein paar Stunden den Knopf oder den Reißverschluss nicht mehr zu. Deshalb laufe ich ständig mit einem Gummiband herum, um mein Knopfloch zu verlängern (ein Trick, der von Schwangeren oft angewendet wird). Das kann manchmal ärgerlich sein, aber ich versuche, es mit Humor zu nehmen. Ich finde meinen runden Bauch eigentlich ganz lustig, tätschle ihn manchmal liebevoll und sage: „Hey, da bist du ja wieder“.
Um es mir ein bisschen leichter zu machen, habe ich mir Jeggings gekauft und trage im Sommer oft lockere Kleider oder Röcke. Im Winter ist das etwas schwieriger, weil Strumpfhosen einen unangenehmen Druck auf meinen Bauch ausüben. Im Notfall ziehe ich sehr lockere Jogginghosen oder Leggings an und gehe auch mal so mit dem Hund raus, wenn nichts anderes bequem sitzt. Ein guter Tipp, der mir geholfen hat, ist, den Bauch möglichst frei zu lassen und nicht zu versuchen, ihn einzuziehen, denn das verschlimmert die Spannung nur noch mehr.
Was die Ernährung betrifft, so habe ich die meisten Ratschläge selbst befolgt, esse allerdings nach wie vor Gluten und bestimmte tierische Produkte wie fetten Fisch, Joghurt oder Eier. Leider neige ich selbst dann, wenn ich bestimmte gesunde Lebensmittel wie verschiedene Gemüsesorten, Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen und Nüsse zu mir nehme, zu verstärkten Blähungen. Da ich bereits auf einige Dinge verzichte (z. B. Fleisch, Alkohol, weiße Getreideprodukte und bis zu einem gewissen Grad auch Zucker), nehme ich die Folgen des Verzehrs dieser Lebensmittel in Kauf, um mich abwechslungsreich zu ernähren und Freude am Essen zu haben. Ich denke, es geht darum, dabei ein persönliches Gleichgewicht zu finden.
Fazit
Der Endo Belly kann, wie andere körperliche Probleme aufgrund von Endometriose, im täglichen Leben eine ziemliche Herausforderung darstellen. In diesem Artikel haben wir uns damit beschäftigt, was genau diese starken Blähungen sind, und die Rolle von Faktoren wie einer gestörten Darmflora und Hormonschwankungen diskutiert. Außerdem haben wir einige praktische Tipps besprochen, die dir helfen können, deine Beschwerden zu lindern, darunter die Anpassung deiner Ernährungsgewohnheiten, die Rolle von Entspannung und die medizinische Unterstützung. Lass dir Zeit, diese Tipps Schritt für Schritt auszuprobieren und ein Gleichgewicht zu finden, das zu dir passt und bei dem dein persönliches Wohlbefinden an erster Stelle steht. Und denke daran, wenn es um Luft geht: besser raus als drinnen lassen! Dein Bauch wird es dir danken (deine Mitbewohner:innen vielleicht etwas weniger).
Weitere Informationen
Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest, findest du unten eine Auswahl an wissenschaftlichen Artikeln. Solltest du allerdings eher nach leicht verständlichen Informationen und praktischen Ratschlägen suchen, kannst du einen Blick auf künftige Blogbeiträge zu diesem Thema werfen oder dich mit deinen Fragen über das Kontaktformular an mich wenden.
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